Stellungnahme gegen CCS

Aus Anlass des beginnenden CCS-Tests in Ketzin möchten wir hiermit Stellung zu CCS
beziehen und unsere Ablehnung für das Vorhaben zum Ausdruck bringen.

Warum wir die Verpressung von CO2 ablehnen

1. Mangelnde Kapazitäten in Brandenburg

Die Geologische Kapazität für die Verpressung von CO2 in Brandenburg ist auf rund 150 Mio. t beschränkt. Die Lausitzer Braunkohlekraftwerke produzieren pro Jahr etwa 60 Mio. t. CO2. Die Kapazität wäre damit nach etwa 3 Jahren erschöpft.
 

2. Mangelnde Anwendungsmöglichkeiten in Deutschland

In Niedersachsen und Schleswig Holstein ist aus geologischer Sicht die meiste Kapazität zur CO2-Speicherung vorhanden. Diese Bundesländer haben CCS jedoch abgelehnt. Wo in Deutschland soll nach den Tests CCS also angewendet werden?

3. Schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis

Die in Brandenburg speicherbare Menge an CO2 würde bei Freisetzung in die Atmosphäre unter Annahme eines Schadens von 10 € pro Tonne langfristig Schäden in
der Größenordung von rund 1,5 Mrd. € verursachen, die durch CCS vermieden werden könnte.
Doch schon die 1.000 MW-CCS-Demonstrationsanlage in Jänschwalde soll 1,5 Mrd. € kosten. Hochgerechnet auf die gesamte Kraftwerkskapazität ergäben sich Kosten von rund 10 Mrd. €. Hinzu kommen die laufenden Kosten und der Energieverbrauch der Anlagen, der Transportaufwand zu den Lagerstätten, sowie der Aufwand zur Verpressung in den Boden. Die Kosten zur Verhinderung der Schäden sind also höher als die Kosten der andernfalls zu erwartenden Schäden. Das Geld sollte folglich besser in die Entwicklung langfristiger Lösungen investiert werden.

4. Fehlallokation von geologischen Forschungskapazitäten

Vom Geoforschungszentrum Potsdam wird viel Zeit, Geld und Arbeitskraft auf die Erkundung und Erschließung potentieller Lagerstätten für CO2 aufgewandt. Diese Kapazitäten sollten statt dessen für die Erkundung potentieller Standorte für Geothermische Kraftwerke eingesetzt werden (siehe Pressemitteilung „Allerhöchste Zeit für tiefe Geothermie“ vom 28.04.2011).

5. Klimaschutz auf Kosten Umweltschutz

Braunkohle bleibt auch mit CCS aufgrund der Tagebaue eine umweltschädliche Energieform. Aufgrund des Energiebedarfs bei der Abscheidung und Verpressung werden die Schäden durch die Tagebaue je gelieferter kWh sogar noch größer.

6. Gefahr für Menschen

CO2-Ausbrüche sind zwar unwahrscheinlich, können jedoch nicht ausgeschlossen werden und gefährden Menschenleben. Gerade Ketzin hat mit der unterirdischen Speicherung von Gasen in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht: Der Ortsteil Knoblauch musste wegen der Gefährdung der Bewohner evakuiert werden und wurde abgerissen.

7. Risiken für Grundwasser

Eine Gefährdung des Grundwassers durch Verdrängung salzhaltigen Wassers in höhere Schichten oder der Eintrag von Schadstoffen kann nicht ausgeschlossen werden.


Wir fordern die Landesregierung daher auf, keine weiteren Standorte zur Lagerung von CO2 zu entwickeln und sich komplett aus der CCS-Technologie zurück zu ziehen. Das Geoforschungszentrum Potsdam sollte sich statt dessen auf die geologische Erkundung potentieller Geothermie-Standorte konzentrieren.


Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Internetseite

www.bvb-brandenburg.de.

Robert Soyka
Landespolitischer Sprecher für Umwelt und Naturschutz