Wölfe als Problem in Brandenburg

Wilde Raubtiere in einer Region, in der sonst alles nach strengen Regeln, bürokratischen Vorgaben und Berechnungen ablaufen soll

Der Wolf streift seit 2007 wieder durch Brandenburg, vor 10 Jahren siedelte sich das erste Paar im Süden Brandenburgs an, 2009 wurden hier Wolfswelpen aufgezogen. Seitdem wächst der Bestand, jährliche Zuwächse von ca. 30 % lassen die Angabe von konkreten aktuellen Bestandszahlen nicht zu. Offiziellen Verlautbarungen zufolge gibt es etwa 200 Tiere in 22 Rudeln, einige Paare und Einzeltiere. Wahrscheinlicher ist aber eine höhere Anzahl.

Der größte Teil der Wölfe hat bisher im Süden Brandenburgs seine Reviere. Registrierte Rudel gibt es auch im benachbarten Sachsen und in Sachsen-Anhalt. Wölfe ziehen sehr weit, innerhalb kürzester Zeit können Sie enorme Strecken zurücklegen, Länder- oder Staatsgrenzen stellen für sie kein Hindernis dar (Bildquelle:  Martin Cathrae, Wikipedia).

Für Jäger, die mitunter erhebliche Revierpachtsummen zahlen, sind verschiedene Fragen offen: Wie wirkt sich der Wolf auf die Wildtierbestände aus, wie soll die Abschussplanung für das Schalenwild erfolgen? Was bedeutet die Ausbreitung des Wolfes hinsichtlich der Verbreitung von Wildtiererkrankungen, so z. B. der Tollwut? Wie können Jagdhunde in Wolfsgebieten geschützt werden und vor allem, wie viele Wölfe verträgt unsere Kulturlandschaft?

Im Jahr 2017 läuft der Managementplan aus, 2018 soll die Überprüfung der Einstufung des Schutzstatus der Wölfe auf europäischer Ebene erfolgen. Bei den Bestandszahlen, die sich in der Kürze der Zeit entwickelt haben, ist aus unserer Sicht eine Anhangsänderung der FFH-Richtlinie mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen erforderlich, auch ist die Definition des günstigen Erhaltungszustands zu prüfen, und mit den Fragen der Jägerschaft sollte eine ernsthafte Auseinandersetzung erfolgen.

Wölfe gelten als sehr scheue Tiere. Hier in Brandenburg werden Wölfe auch immer öfter am Tag beobachtet, sie erkunden ihr Umfeld und registrieren natürlich Futterangebote. Viele der Vorhersagen treffen einfach nicht zu, Weidetiere und auch gesunde Rothirsche oder Wildschweine gehören zur täglichen Beute dieser großen Raubtiere, bisher wurde das negiert. Waren es anfangs Schafe, so sind mittlerweile auch Wolfrisse an Rindern und auch Pferden in Koppeln und in Nähe zum Menschen belegt. Die Schäden für die Landwirte sind enorm, sie fühlen sich allein gelassen. Wut und Verzweiflung kommen inzwischen sehr oft zum Ausdruck und das nicht nur beim Wolfsplenum.

Appelle an die Akzeptanz der Verhaltensweisen für ein besonders streng geschütztes Tier und bürokratische Hürden bei den Verlusthilfen sind nicht hilfreich, wenn zunehmend Schäden in der Freilandtierhaltung oder durch die Großrudel- oder Rottenbildung als Schutzfunktion der Wildtiere entstehen.

Der Begriff der Kulturlandschaft wandelt sich augenscheinlich. Der strenge Schutz einzelner Tiere geht immer zu Lasten anderer Tiere, die einfache Behauptung, die Natur reguliert das, wird sich kaum bestätigen. Wenn Raubtiere sich absolut frei entwickeln, können die verschiedensten Probleme immer schneller anwachsen. Sicher ist, dass sich Wölfe ihre Nahrung beschaffen werden, bevor sie verhungern, wie die Wildschweine im Naturschutzgebiet „Döberitzer Heide“.

In Brandenburg gibt es, wenn auch in größeren Abständen, strenge Winter. Der Nahrungsbedarf der Wölfe liegt auch dann bei 2 - 3 kg Fleisch. Aus unserer Sicht sind die Verantwortlichkeiten klar zu regeln. Wenn Schäden auftreten, müssen die Verursacher auch dafür geradestehen, zumindest müssen diese verpflichtet werden, an der Regulierung der Schäden teilzuhaben und den bürokratischen Ablauf vollständig zu übernehmen. Das darf nicht dem Geschädigten angelastet werden.

Der Entwurf der Wolfsverordnung birgt aus unserer Sicht unzählige Konflikte, schon die Antragstellung, ebenso die vorgeschlagene Ausführung ist abenteuerlich. Der Wolf, auch ein Problemwolf ist genauso schnell verschwunden wie er auftaucht, so wird es kaum gelingen, Probleme zu lösen. Das kurze Erscheinen ist aber vielen Wildtieren eigen. Wir wollen nicht, dass der Wolf in Brandenburg wieder ausgerottet wird, eine kleine Anzahl Wölfe wird echte Akzeptanz auch auf dem Lande finden und eben wenig Schaden verursachen. Dringend ist die Anzahl zu regulieren, wie es bei vielen Wildarten geschieht. Klare und handhabbare Regelungen sind erforderlich, hiervon sind wir weit entfernt.

Iris Schülzke, MdL