Energiewende: Verlässlich und intelligent?

Dritter Teil der kritischen Auseinandersetzung mit der Informationsschrift „Die Energiewende: unsere Erfolgsgeschichte“

Im 3.Teil der kritischen Auseinandersetzung mit der Informationsschrift des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie „Die Energiewende: unsere Erfolgsgeschichte“ wollen wir die letzte Behauptung hinterfragen, die Energiewende sei erfolgreich, weil sie verlässlich und intelligent sei.

Unter „verlässlich“ wird nochmals die Frage der Versorgungssicherheit verstanden. Im Teil 2 „Zum Stand der Energiewende“ wurde hier bereits Klarheit geschaffen. Das Störungsgeschehen in den Energienetzen hat nichts mit der Energiewende zu tun. Hier geht es um die Netzstabilität in den Übertragungs- und Verteilernetzen. Sie verringert sich stetig mit der Erhöhung stark schwankender Einspeiseleistungen aus Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen bei fehlenden Speichermöglichkeiten (siehe Anlage).

Was soll man sich bei der Energiewende nun unter „intelligent“ oder „smart“ vorstellen? Die Energiewende soll mit Hilfe der Digitalisierung zu einer intelligenten Stromversorgung führen. Dazu wurde ein Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende beschlossen. Bei der Digitalisierung werden intelligente Messsysteme, sogenannte Smart Meter, eingesetzt. Sie sollen herkömmliche Stromzähler ersetzen und Stromnetze mit Datennetzen verknüpfen. Die Stromnetzbetreiber erhalten von den Endverbrauchern detaillierte persönliche Daten über ihre privaten Stromverbrauchsgewohnheiten. Von Anfang an haben Datenschützer dagegen Bedenken angemeldet. Strenge Datenschutzbestimmungen werden neuerdings zunehmend von Hackern ausgehebelt. Übrig bleibt der „gläserne“ Stromkunde. Das alles verursacht die Energiewende, indem sie die traditionellen Stromverbrauchsgewohnheiten der Verbraucher auf den Kopf stellt:  Strom soll nicht mehr dann verbraucht werden, wenn er benötigt wird, sondern nur dann, wenn er ausreichend durch Wind und Sonne bereitgestellt werden kann. Die Stromverbräuche über einen Tag, eine Woche, einen Monat, ein Jahr (man nennt das Belastungsganglinien) sind statistisch so gut und gesichert bekannt, dass sie mit planbaren konventionellen und nuklearen Stromerzeugungsanlagen problemlos abgedeckt werden können. So war die Praxis bis zur Verkündung der Energiewende, deren deutscher Variante noch immer weltweit niemand gefolgt ist. Die bisherigen deutschen Erfahrungen sind einfach zu abschreckend. Erfahrene Energiewirtschaftler bestätigen das immer wieder, ohne dass sie von der Politik gehört würden. Die Tatsache, dass jede Wolke vor der Sonne und jedes Sturmtief eine planbare Stromversorgung aus Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen so gut wie unmöglich macht, wird von den politischen Verantwortungsträgern ignoriert. 

Die Energiewende war und ist eine energiewirtschaftliche Miss- und Fehlgeburt, entstanden in den Köpfen von realitätsfernen und sachunkundigen Ideologen. Sie sind zum großen Teil namentlich bekannt. Mit einer Reihe von Hilfskrücken wird nun seit Jahren versucht, der Energiewende das Laufen beizubringen. Das sind unter anderem die Dauersubventionierung des Strompreises mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), der Erlass von Gesetzen zum Strommarkt, zur Digitalisierung der Energiewende, die verstärkte Verlegung von teuren Erdkabeln anstelle von  bewährten Freileitungen, die Einführung eines Ausschreibungsmodells statt politisch definierter Festpreise für Windstrom. Nichts davon hat dazu geführt, dass die deutsche Energiewende international attraktiver geworden wäre. Wind und Sonne sind natur- und nicht politikgemacht.

Einen neuen Kuhhandel zum Gesundbeten der Energiewende haben sich die Beratungsfirmen Agora Energiewende und Roland Berger für die Bundesregierung ausgedacht. Eine Versöhnung der Energiepolitik mit der Industrie soll es geben. Während die Unternehmen das Klimaschutzziel 2050 akzeptieren und unterstützen, werden ihnen im Gegenzug von der Politik Energiepreise garantiert, die deren internationale Konkurrenzfähigkeit sicherstellen. Das Ganze wäre nur möglich auf Kosten der Bürger. Denn wenn man die Industrie vor dem massiven Standortnachteil immer weiter steigender Energiekosten in Deutschland retten will, bleibt nur der Bürger als Zahlmeister. Mit Folgen, die die Stromverbraucher über ständig steigende Preise und rückläufige Versorgungszuverlässigkeit immer deutlicher zu spüren bekommen. Im Jahr 2013 wurden 345.000 deutschen Haushalten der Strom wegen nicht bezahlter Rechnungen abgestellt, 2016 waren es bereits über 500.000 Haushalte. Allein in Berlin wurde im vergangenen Jahr 17.800 Haushalten der Strom abgeschaltet.

Auf Klimaschutz und Energiepreise wurde schon in Teil 1 und Teil 2 der Serie eingegangen.

Auf welch dünnem Eis die Photovoltaik-Branche im sonnenscheinarmen Deutschland steht, macht ein übriges Mal die Insolvenz der Firma Solarworld deutlich. Nun ist nach Solon in Berlin, Q-Cells in Bitterfeld, First Solar in Frankfurt (Oder) auch der letzte große deutsche Solarkonzern am Ende. Das ist ein Symptom für den schlechten Allgemeinzustand der gesamten deutschen Ökostrom-Branche, die nur teilweise der starken Konkurrenz aus China angelastet werden kann. Überlebensfähig war man nur, solange völlig überzogene EEG-Vergütungen die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen künstlich in die Höhe trieben.

Die Informationsbroschüre enthält weitere Behauptungen, die hier kommentiert werden müssen:

„Die Energiewende ist erfolgreich, weil sie effizient ist.“
In der Tat ist die ständige und weitere Erhöhung der Energieeffizienz die einzige Säule der Energiewende, die wirklich trägt. Die Erhöhung der Energieffizienz war, ist und bleibt richtig und ist auch international unumstritten. Allerdings nahm Deutschland bereits im Jahr 2016 mit 4,72 GJ/1.000 € BIP einen Spitzenplatz weltweit ein. Seit 2011 wurde eine Verbesserung um 7,1 % erreicht.

„Die Energiewende ist erfolgreich, weil sie unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig macht.“
Mit steigenden Energiepreisen und sinkender Versorgungssicherheit wird keine Wirtschaft wettbewerbsfähiger.

„Die Energiewende ist erfolgreich, weil sie europäisch eingebettet und weltweit wegweisend ist.“
Die Energiewende ist nicht europäisch eingebettet, sondern war eine isolierte deutsche Sonderentscheidung. Mit unseren Energienachbarn (z.B. Österreich, Schweiz, Polen, Tschechien) war sie nicht abgestimmt. Diese Länder haben sich EU-weit und lautstark über die negativen Auswirkungen der deutschen Energiewende auf ihre nationalen Netze beklagt und lehnen die Energiewende deutscher Prägung ab. Weltweit gibt es aus gutem Grund keine Nachahmer, die das deutsche Modell der Energiewende übernommen haben und insofern ist sie auch nicht wegweisend.

„Die Energiewende ist erfolgreich, weil sie ein Zukunftsmodell ist – für uns und die folgenden Generationen.“
Die Energiewende ist weder für uns heute, noch für folgende Generationen ein Zukunftsmodell und muss daher beendet werden, weil die Energiewirtschaft jedes Landes das Rückgrat der gesamten Wirtschaft ist. Dieses Rückgrat wird Deutschland mit der Durchsetzung der Energiewende gegenwärtig gebrochen. Deutschland wird als Staat vor die Wand gefahren. Unsere Kinder und Enkel werden die Folgen der Energiewende ausbaden müssen.

Fazit von Teil 3: Die Energiewende ist weder verlässlich noch intelligent.

Zusammenfassung: Die drei Kernaussagen der Informationsschrift des BMWi „Die Energiewende: unser Erfolg“ wurden in den Teilen 1-3 der Überprüfung widerlegt. Somit ist die Energiewende kein Erfolg, sondern ein Desaster.

Als Frage bleibt: Wie ist mit Falsch- und Fehlinformationen umzugehen, die regierungsoffiziell in Umlauf gebracht werden und eine verantwortungslose Indoktrination der Bevölkerung darstellen?

Dr. Helmut Pöltelt
Landespolitischer Sprecher Energieversorgung der BVB / FREIEN WÄHLER

Zum ersten Teil: „Zum Stand der Energiewende“
Zum zweiten Teil "Energiewende: Verlässlich und intelligent?"  

 

ANLAGE:

 

 

 

Dez 2016

Energiebedarf
Deutschland

Wind

Solar

Wind + Solar

Prozent der
Nennleistung

installierte Nennleistung

 

49.494 MW

40.809 MW

90.303 MW

 

Max

75.755 MW

33.019 MW

12.170 MW

35.839 MW

39,69%

Mittelwert

56.944 MW

12.448 MW

1.064 MW

13.512 MW

14,96%

Min

36.175 MW

365 MW

0 MW

365 MW

0,40%

Summe Monat

42.366 GWh

9.261 GWh

792 GWh

10.053 GWh

23,73%

Das leisteten Wind und Sonne im Dezember 2016:

Der maximale Stromverbrauch von 75.755 MW wurde zu 39,69 % durch Wind und Solar abgedeckt.

Der minimale Stromverbrauch von 36.175 MW wurde zu 0,4 % von Wind abgedeckt, Solar = 0.

Über den gesamten Monat betrug die gesicherte Leistung (verfügbare Leistung) aus Wind und Solar 23,73 %.  76,27 % der Leistung kamen hauptsächlich aus konventionellen und nuklearen Stromerzeugungsanlagen.