Energiewende: Weder nachhaltig, noch sicher

Dr. Helmut Pöltelt: Ist die Energiewende „nachhaltig“ und „sicher“? – Eine kritische Betrachtung zu Falschaussagen der Bundesregierung, Teil 2

In der Informationsschrift des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie „Die Energiewende: unsere Erfolgsgeschichte“ wird behauptet, die Energiewende sei erfolgreich, weil sie „nachhaltig“ und „sicher“ sei. Stimmt das? Nachhaltig ist ein Produkt, ein Prozess oder eine Entwicklung, wenn die Bedürfnisse der Menschen in der Gegenwart damit befriedigt werden, ohne die Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung der Menschen in der Zukunft einzuschränken. Die Entwicklung der Energiewirtschaft, die mit der Energiewende eingeleitet wurde, entspricht diesen Anforderungen nicht. Sie ist nicht nachhaltig. Der Ausstieg aus der Kernenergienutzung ist als dauerhafte Absage an die Nutzung von Nukleartechnologien zur Energieerzeugung zu verstehen. Damit wird ein Weg zur zukünftigen Nutzung unerschöpflicher Energieressourcen für Deutschland praktisch versperrt, ebenso wird ein Teil der Versorgungsreserve für wind- und sonnenarme Zeiten mutwillig beseitigt.

Doch wie steht es nun um die Sicherheit? Gemeint ist hier die sichere, unterbrechungsfreie Stromversorgung von Bevölkerung, Wirtschaft, Verkehr und allen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Ausgedrückt wird diese Versorgungssicherheit in der jahresdurchschnittlichen Dauer der Versorgungsunterbrechung je Endverbraucher in Minuten. Einfach ausgedrückt: Wie lange muss der Verbraucher im Jahr ohne Strom auskommen?

Hierbei handelt es sich um lokale Stromausfälle, die hauptsächlich verursacht werden durch Trafostörungen oder -ausfälle, Schaltgerätefehler (Leistungsschalter, Trenner), Kabelbrüche in Frei- und Erdleitungen, Kurzschlüsse. Die Energiewende spielt hierbei keine Rolle. Entscheidend für die Dauer solcher Stromausfälle sind die gesamte Netzarchitektur und ihr Alter, die vorgehaltenen Bau- und Montagekapazitäten für die Störungsbeseitigung, die Reservehaltung für störungsgefährdete Anlagenteile und Ausrüstungen. Hier kann Deutschland unter anderem auf Grund der historisch gewachsenen und bewährten Netzstruktur international glänzen. Die jahresdurchschnittliche Dauer der Versorgungsunterbrechung je Endverbraucher betrug im Jahr 2014 ganze 12 Minuten. In Italien dauerten die Ausfälle durchschnittlich 3,4-mal solange, in Kanada gar 25,5-mal solange. Doch auch das sind in Kanada „nur“ 5 Stunden Ausfall im Jahr – für eine Industrienation noch verkraftbar.

Für die Energiewende hat das Problem eine völlig andere Größenordnung. Es fallen nicht hin und wieder punktuell einzelne Leitungen und Transformatoren aus, es ist bei ungünstiger Wetterlage einfach zu viel oder nicht genug Strom im gesamten Netz. Reserven anzulegen ist nicht möglich – bezahlbare Energiespeicher dieser Größenordnung gibt es nicht. Ohne steuerbare Kraftwerke – ob fossil oder nuklear – ist diese wetterabhängig schwankende Einspeisung nicht zu kompensieren. Die Stabilität des gesamten Stromversorgungsnetzes ist somit das entscheidende Problem – und wenn es zum Ausfall kommt, dann gleich flächendeckend.

Bei witterungsbedingt stark schwankenden Leistungseinspeisungen aus Windenergieanlagen (WEA) und Photovoltaik-Anlagen (PVA) von maximal 46.227 MW (im März 2017) muss im Netz dennoch eine Frequenz von 50 Hz gehalten werden. Abweichungen dürfen +0,2 Hz und -0,2 Hz nicht übersteigen. Sonst droht ein Netzzusammenbruch, auch als „Schwarzwerdefall“ oder „Blackout“ bezeichnet. Wenn die Frequenz +0,2 Hz zu übersteigen droht, werden Stromerzeuger nach festgelegten Kriterien heruntergefahren oder zwangsabgeschaltet. Droht die Frequenz unter -0,2 Hz abzufallen, erfolgt eine Reduzierung der Versorgung der Verbraucher oder die Abschaltung der Versorgung. Mit einer zunehmenden Zahl von Redispatch-Maßnahmen (Netzeingriffen) müssen die Übertragungsnetzbetreiber die Frequenz stabilisieren. Die Netzeingriffe 2015 verdoppelten sich gegenüber 2014 fast auf 15.811 und führten für den Stromkunden zu zusätzlichen Kosten in Höhe von 411,9 Mio. Euro.

Der mittlere Leistungsbedarf des Systems im März 2017 betrug 57.741 MW. Davon kamen 17.095 MW aus WEA und PVA (29,6 %). Den Rest von 40.646 MW (70,4 %) deckten überwiegend fossile und nukleare Stromerzeuger ab. Im Jahr 2022 soll das letzte Kernkraftwerk stillgelegt werden. Statt eines entsprechenden Ausbaus der fossilen Reserven träumen Aktivisten jedoch auch dort schon von einem Ausstieg und kämpfen erbittert gegen jedes derartige Projekt. Die Folge wäre eine so große Lücke in der Grundlastversorgung des Systems, dass die Gefahr eines „Blackouts“ stark ansteigen würde. Der weitere Ausbau von WEA und PVA verstärkt diese Gefahr weiter. Die Folgen eines „Blackouts“ wären katastrophal, wie eine Studie ergab, die im Auftrag des Deutschen Bundestages angefertigt wurde. Sie ist aus gutem Grunde wenig bekannt.

Angesichts dieser akuten Gefährdungslage in Sichtweite wurde Ende 2016 – von der Öffentlichkeit fast unbemerkt – vom Bundestag eine aktualisierte Notfallverordnung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe verabschiedet. Sie heißt: „Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen“ (3.Auflage Oktober 2016).

Zwischenfazit: Je weiter die Energiewende vorangetrieben wird, desto unsicherer wird das Elektroenergieversorgungssystem.

 

Und die „Nachhaltigkeit“? Nicht nachhaltig ist auch die Nutzung der erneuerbaren Energien Wind, Sonne und Biomasse. Die Anzahl der Windenergieanlagen an Land wuchs von 19.264 St. im Jahr 2010 auf 25.118 St. im Jahr 2015. Per 31.12.2016 waren es 27.270 WEA, wobei die neuen Anlagen im Schnitt immer größer wurden. Der starke Kapazitätsausbau von WEA löst längst dauerhafte Schäden aus. Sie machen Kulturlandschaften für andere künftige Nutzungsarten, wie Tourismus und Erholung, unbrauchbar. Wohnqualität und Wert der umliegenden Wohngebäude reduzieren sich ebenso wie die Eignung der Gebiete als Lebensraum für bedrohte Vogel- und Fledermausarten. Auch das widerspricht dem Nachhaltigkeitsprinzip. Ähnliches gilt für die Verspiegelung und Versiegelung großer Wiesen- und Weideflächen mit Photovoltaik-Anlagen. In Monokulturen angebaute Biomasse – insbesondere Silomais für Biogasanlagen – verursacht gravierende Schäden in Umwelt und Landwirtschaft.

Falsch, obwohl ständig in den Medien zitiert, ist die Aussage, dass der Windpark x mit der Leistung y ganzjährig z Haushalte versorgen könne. Die Aussage bezieht sich auf Summer der im gesamten Jahr zu zufälligen Zeiten erzeugten kWh und eben nicht auf die Versorgung nach Bedarf. Wind steht nicht nach unserem Bedarf zur Verfügung, sondern wenn er bei entsprechendem Wetter weht. Wäre diese Zahl an Haushalten nur an diesen Windpark angeschlossen, hätten sie bei Flaute wochenlang gar keinen Strom. Bei kräftigem Wind hingegen müsste die Anlage gedrosselt werden, da sonst das Stromnetz überlastet würde. Die Aussage, ein Windpark könne eine bestimmte Anzahl an Haushalten versorgen, zeugt daher von fehlendem technisch-physikalischen und energiewirtschaftlichen Sachverstand und verschleiert die Probleme der Windkraft. Denn baut man genug Windkraftanlagen „für 83 Millionen Menschen“, endet man deutschlandweit mit dem gleichen Problem.

Falsch ist auch die Aussage, dass erneuerbare Energien zu 100 % die Stromversorgung aus Kernkraft- und fossilen Kraftwerken ersetzen könne. Sie basiert auf der sogenannten „Glättungsthese“, die inzwischen nicht mehr nur theoretisch, sondern auch praktisch widerlegt ist. Sie hat sich jedoch in den Köpfen vieler politischer Entscheider festgesetzt und wurde einst in verwerflicher Weise vom Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik in die Welt gesetzt. Die Theorie besagt vereinfacht: Überall weht immer etwas Wind und man muss nur genügend viele WEA errichten, um die Windenergie grundlastfähig zu machen. Windkraft sei im Alleingang für eine bedarfsgerechte Stromversorgung geeignet. Da unser Wetter jedoch von Tausenden Kilometern durchmessenden Drucksystemen dominiert wird, war dies jedoch von Anfang an Wunschdenken. Zieht ein Tiefdruckgebiet über Deutschland, weht überall kräftiger Wind. Liegt ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa, herrscht hingegen im ganzen Land Flaute.

Die Zielsetzung einer „weitgehend klimaneutralen“ Energieversorgung mündet in den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung inklusive Dekarbonisierung der Welt auf der Grundlage des Klimaschutzabkommens von Paris. Grundlage für all das ist die Annahme, dass fortgesetzter Ausstoß von CO2 zu einer Klimakatastrophe auf der Erde führe. Dafür allerdings gibt es bis heute keinen verifizierten Beweis, sei es durch Versuche oder Messungen. Es existiert dazu lediglich eine „Übereinkunft“ von ca. 3.000 Wissenschaftlern darüber, dass das so sei. 

Per „Übereinkunft“ kann man nicht zu gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen kommen. Gesicherte Erkenntnis und für jeden nachvollziehbar ist, dass es Klimawandel zu allen Zeiten der Existenz der Erde gegeben hat. Selbst der Weltklimarat kommt in seinem 5. Sachstandsbericht zu der Aussage, dass es in den letzten 20 Jahren zu keiner weiteren Erderwärmung gekommen sei und hat für dieses Phänomen keine Erklärung. Beim Klimawandel handelt es sich um einen Naturprozess, der vom Menschen nur zum Teil beeinflussbar ist. Die Einflüsse, die den Klimawandel verursachen, sind sehr komplex und nur unvollständig bekannt oder gar erforscht. Die Klimamodelle (ca. 20) haben sich als unbrauchbar zur Abbildung vergangener und zukünftiger Klimaveränderungen erwiesen. Die Klimaforschung als Wissenschaft steht noch ganz am Anfang.

Luft besteht fast ausschließlich aus den drei Bestandteilen Stickstoff (~78 % N2), Sauerstoff (~21 % O2) und Argon (~1 % Ar). Das lebenswichtige Spurengas CO2 ist mit nur 0,038 % in der unteren Atmosphäre enthalten. Bei diesen Konzentrationen kommt auf 2.632 Luftmoleküle nur ein einziges CO2-Molekül. Es ist Voraussetzung für die Photosynthese, ohne die das heutige Ökosystem der Erde völlig unmöglich wäre.  Der mit Abstand größte Teil des CO2 in der Atmosphäre stammt dabei aus geologischen und vor allem biologischen Prozessen – wie der Atmung – und nicht aus der Verbrennung fossiler Treibstoffe. So viel zu den Relationen. Die Erde hat dabei über Millionen von Jahren einen deutlich höheren CO2-Anteil in der Atmosphäre gehabt als heute, während das Leben blühte. CO2 ist folglich kein „Klimakiller“, die Natur kann höhere CO2-Werte verkraften.

Doch was ist das „Klima“ eigentlich? Als Klima bezeichnet man den statistischen Mittelwert des Wettergeschehens über mindestens 30 Jahre. Menschen haben diese Mittelwerte in Kategorien unterteilt, zumeist in häufige Kombinationen der statistischen Mittelwerte von Temperatur und Niederschlägen. So gibt es zum Beispiel typisch kontinentales oder maritimes Klima, oder auch tropisches, subtropisches, gemäßigtes, subpolares und arktisches Klima. Doch Klima bleibt ein statistischer Mittelwert. Wie auch das Wetter kann man es nicht „zerstören“ oder  gar „töten“, dennoch wird dies dem CO2 vorgeworfen. Man kann das statistische Mittel des Wetters auch nicht vor Veränderungen „schützen“. Es ist seit Millionen von Jahren in teils langsamer, teils relativ schneller Veränderung und das wird auch so bleiben. Wer vorgibt, das Klima vor Veränderung „schützen“ zu können, begeht die Anmaßung, das Wetter kontrollieren zu können.

Das Eingeständnis dieser Faktenlage birgt allerdings ein Höchstmaß an politischem Sprengstoff. Daher wird in der medialen Berichterstattung ein anderes, jedoch falsches Bild gezeichnet. Am beliebtesten ist das Totschlagargument der Klimaleugnung gegen Klimarealisten. Wer nicht dafür ist, die CO2-Emissionen „koste es, was es wolle“ zu reduzieren, zerstöre das Klima und damit die Menschheit – und sei damit automatisch ein Massenmörder, gegen den jedes Mittel Recht sei. Eine moderne Form der Hexenjagd: Beweise, dass CO2 tatsächlich zu Todesfällen oder Schäden geführt hat, sind offensichtlich nicht notwendig. Und eine Gegenrechnung – wieviele Menschen ihr Leben der Verwendung fossiler Treibstoffe verdanken und welche enormen Werte erst durch ihre Verwendung geschaffen werden – wird gar nicht erst in Erwägung gezogen.

Zwischenfazit: Wer ohne praktikable Alternative fossile Brennstoffe und Atomkraft gleichermaßen beseitigen will, handelt nicht nachhaltig, sondern zerstört mangels Alternativen mutwillig die Versorgungssicherheit für Energie – und damit die Grundlage unserer Wirtschaft und unseres gesamten Lebens. Zudem werden vor allem mit den vom EEG favorisierten Windkraftanlagen inzwischen selbst dauerhafte Schäden angerichtet. Nachhaltig ist die „Energiewende“ somit nicht.

Endfazit: Die Energiewende ist weder sicher, noch nachhaltig.

Dr. Helmut Pöltelt
Landespolitischer Sprecher Energieversorgung BVB / FREIE WÄHLER

Zum ersten Teil: „Zum Stand der Energiewende“
Zum dritten Teil "Energiewende: Verlässlich und intelligent?"