Systemversagen der Energiewende

Negative Strompreise werden als „Triumph“ verkauft, obwohl sie Zeichen für ein Versagen der Energiewende sind – Kommentar von Dr. Helmut Pöltelt

Zeitweise Überschüsse an Elektroenergie sind in den letzten 5 Jahren von einer Seltenheit zur Regelmäßigkeit geworden. Auch über die Weihnachtsfeiertage 2016 wurden wieder 20 bis 30 Millionen Euro dafür ausgegeben, überschüssige Windkraftanlagen abzuschalten. Dennoch konnte nicht verhindert werden, dass die Strompreise über 35 Stunden negativ wurden. Das bedeutet nichts anderes, als dass Geld dafür bezahlt wird, hochsubventionierten überschüssigen EEG-Strom loszuwerden.

Die privaten Verbraucher haben hiervon nichts. Hierzu „Die Welt“„Wer sich diese Entsorgungsgebühr einsteckte, ist unbekannt. Branchengerüchten zufolge, lassen Industriebetriebe, die sich direkt an der Strombörse mit Elektrizität eindecken, ihre Kessel, Großfeuerungsanlagen und Maschinen länger in Betrieb, ohne irgendetwas zu produzieren – einfach nur, weil es so lukrativ ist, Strom zu verbrauchen. Eine Möglichkeit, die privaten Endverbrauchern nicht zur Verfügung steht."

Jeder, der sich die Situation in der Strombranche genauer anschaut, kann dies als reinen Subventionsirrsinn erkennen, bei dem das Geld der Bürger mutwillig verschwendet wird. Doch die PR-Abteilungen der Windkraft- und EEG-Subventionslobby versuchen, dies sogar noch als Erfolg zu verkaufen. Die dank milliardenschwerer – vom Bürger bezahlter – EEG-Subvention negativen Strompreise seien erwünscht, da sie den konventionellen Kraftwerken schaden und diese in den Ruin treiben. Dass es diese „bösen“ und zu ruinierenden konventionellen Kraftwerke sind, die in drei Vierteln der Zeit die Versorgung übernehmen, weil zwischen Stürmen nun einmal wochenlange Flauten liegen, verschweigt man dem Bürger. Und einige Journalisten geben diese Lobby-Meinung unreflektiert wieder, sprechen gar von einem „Triumph für die Energiewende“.

Dr. Helmut Pöltelt, Landespolitischer Sprecher für Energieversorgung bei BVB / FREIE WÄHLER, hat auf diese offensichtlich in mehreren Leserbriefen reagiert, in denen er die Situation für die Leser beleuchtete.

Ein Leserbrief wurde in der Ausgabe 31.12.2016 / 01.01.2017 in der „Berliner Zeitung“ abgedruckt:

„Systemversagen der Energiewende
Das ZDF hat in einer 39-seitigen Studie vom 13.12.2016 die Glaubwürdigkeit von ARD und ZDF sowie weiterer Medien untersuchen lassen, die ihnen von den Zuschauern und Lesern zugebilligt wird. In einer Skala von -5 bis +5 wird regionalen Tageszeitungen wie der „Berliner Zeitung“ ein Wert von +2,4 vergeben. Zu dieser Glaubwürdigkeit leistet Herr Wenzel einen bemerkenswerten Beitrag. Flatterstrom aus Windenergieanlagen hat über die windreichen Feiertage zu einem Stromüberangebot geführt, das den Strompreis an der Leipziger Börse EEX auf den Wert von -67 Euro/ MWh fallen ließ. Den Preis müssen die Stromkunden zusätzlich für die Entsorgung dieses überflüssigen Schrottstroms ins Ausland zahlen. Herr Wenzel stellt das den Lesern als Triumph der Energiewende dar. Tatsächlich zeigt sich in negativen Strompreisen das Systemversagen der Energiewende. So kann man es auch dem aktuellen Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur über die Energiewende entnehmen. Im Jahr 2015 hat die Stromkunden die Subventionierung von Strom aus erneuerbaren Quellen rund 24 Milliarden Euro gekostet. Dass negative Energiepreise ein Instrument der Disziplinierung von konventionellen Stromerzeugern sein soll, ist eine Erfindung des Autors Wenzel. Was er über die Regelfähigkeit solcher Anlagen weiß, bleibt im Dunkeln. Ohne Strom aus konventionellen Gas- und Kohlekraftwerken sowie aus Kernkraftwerken wäre eine sichere, unterbrechungsfreie Stromversorgung unmöglich, so lange es keine neuen Speichermöglichkeiten gibt. Jeder der vier Netzbetreiber in Deutschland wird das bestätigen.

Dr. Helmut Pöltelt“

 

 

Ein zweiter wurde als Lesermeinung zu „Berliner Morgenpost“ vom 07. Januar 2017, Wirtschaft, S.6

„Sonne und Wind liefern ein Drittel des deutschen Stroms“ von André Stahl

„Die verwendeten Zahlen werden von der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen für das BMWi generiert und auch von der „Denkfabrik“ Agora Energiewende verwendet. Sie sind korrekt. Ihre Interpretation allerdings irritiert. Sie suggeriert den Erfolg der Energiewende. Noch im Jahr 2014 führte der Direktor der Agora Energiewende, Dr. Patrick Graichen, in einem „DIE ZEIT“-Interview jedoch aus, dass die Konzipierung der Energiewende von vielen falschen Voraussetzungen ausging. Die Auswirkungen spüren wir Bürger immer deutlicher. Ein Ende der Strompreissteigerung ist ebenso wenig in Sicht wie die neuen Speichertechnologien, die Politiker gern fordern. Am Bedarf vorbei produzierter Wind- und Solarstrom wird gegen Bezahlung im Ausland als Schrottstrom entsorgt. An der Leipziger Strombörse EEX drückt sich das in negativen Strompreisen aus. Allein über das Jahresende 2016 kostete das den Stromkunden über 20 Mio. Euro, die mit der EEG-Umlage zusätzlich zu bezahlen sind. Negative Strompreise charakterisieren das Systemversagen der Energiewende. Einen Beitrag zum Klima-, Umwelt-, Natur- und Ressourcenschutz leistet die Energiewende nicht. Energiewirtschaftlich ist sie überflüssig. Genauso wenig ist es technisch und physikalisch möglich, Strom aus Kernkraftwerken durch Flatterstrom aus Wind und Sonne zu ersetzen.

Dr. Helmut Pöltelt“