Website Preloader
Website Preloader

Ein Strukturwandel im Wandel

19.08.2026 | Kommunales, Landesverband, Wirtschaft

Als 2022 der Ukraine-Krieg ausbrach, verhängte die EU ein Öl-Embargo, das von Deutschland verschärft wurde und sich auch auf Pipelines bezog. Die Konsequenz war, dass plötzlich der industrielle Leuchtturm der Uckermark, die PCK AG, einbrach und praktisch über Nacht eine ganze Region vor einer drohenden Deindustrialisierung stand. Schnell kam damals Wirtschaftsminister Habeck aus Tableau, schnell wurden die tollsten Dinge versprochen, schnell wurde zugesagt, dass die Region aus dem JTF-Fond noch nie gekannte Mengen an Geld erhalten soll. Projekte wurden angeschoben, Start-ups sollten die drohende Lücke schließen, grüne Treibstoffe, Bioökonomie, Biofuels, grüner Wasserstoff, das waren damals die Schlagworte.

Heute, mittlerweile vier Jahre später, ist diese Aufbruchsstimmung einer gewissen realitätsbezogenen Nüchternheit gewichen.

Bürokratische Hemmnisse bei der Entstehung der Projekte, eine nach wie vor herrschende gewisse Planlosigkeit, wohin die Reise geht, sowie halbherzige Arbeitsplatzgarantien der PCK haben zu einem Klima geführt, in dem Unternehmen Investitionen zurückhalten, in dem eine wirkliche Weiterentwicklung nur sehr verhalten vorangeht. Niemand kann derzeit eine gesicherte Zukunft prognostizieren. Die allgemeine Angst, dass neue und immer größere Hürden kommen werden, lähmt ungemein.

Die Start-up-Szene hat Schwedt und seine Möglichkeiten zwar entdeckt, hat aber bis auf einen Spot keine Andockmöglichkeiten gefunden. Dieser Spot ist das existierende Reallabor, gelegen in einer alten Industriehalle am Rande Schwedts mit direkter Anbindung zu einem Industriegebiet mit bereits existierenden Mietern (Start-ups). Es verfügt über ein Alleinstellungsmerkmal. Hier ist die Verknüpfung von grünen Start-ups und wissenschaftlichen Einrichtungen mit bestehenden Großindustrien wie der PCK-Raffinerie und der LEIPA-Papierfabrik möglich.

Auch sind am Standort des Reallabors die Voraussetzungen für Start-ups vollständig gegeben, beispielsweise hinsichtlich der baulichen Infrastruktur (Energie, Medien, Anbindungen), als auch der behördlichen Genehmigungslage (sogenannte Experimentierklausel).

Die Stadtverwaltung der Stadt Schwedt hat sich jedoch dazu entschieden, diesen Standort für die Ansiedlung von Startups nicht weiterzuentwickeln, sondern an einem anderen Ort einen Neubau zu errichten – das „Travis“.

Ob man sich damit einen Gefallen tut, ist an dieser Stelle noch offen. Es ist ein monetäres und zeitliches Wagnis. Denn es bindet Zeit (lange Planungs- und Bauzeiten) und Geld (doppelte Investitionen in die Errichtung von Infrastruktur), und es besteht die Gefahr, dass Unternehmen zwischenzeitlich abwandern.

Außer dem Reallabor gibt es nach fünf Jahren Transformationsgerede keine greifbare Location für eben diese Transformation. Das „Travis“ ist im Bau. Es wird frühestens 2028 an den Start gehen. Auch die anderen Transformationsprojekte (Demo Hub, Boardinghouse, Wasserstoffproduktion) stecken noch immer in den Planungsphasen. So schleicht sich der leise Verdacht ein, dass Schwedt sich zwar müht, aber die Transformation schlicht verpasst.

Die so hochgelobten Projekte der grünen Wasserstoffproduktion, gefördert mit großen und öffentlichen Scheckübergaben, stehen plötzlich vor großen Problemen. Die Start-ups stecken zum Teil noch in Konzeptphasen. Bis dort eine Wertschöpfung entsteht, wird ebenfalls noch viel Zeit vergehen.

Und so bleibt die Erkenntnis, dass die Region noch viele Jahre auf die Produktion der Güter angewiesen sein wird, die schon vorher so essentiell waren. Petrochemie, Kraftstoffproduktion, Papier- und Kartonproduktion werden noch für lange Zeit die alles bestimmenden Industriezweige bleiben. Transformation ist ein Prozess, der nicht über Nacht geht und der, obwohl er mit riesigen Fördersummen ausgestattet ist, durch hohe bürokratische Hemmnisse wieder ausgebremst wird. Was jetzt gebraucht wird, sind Mut und schnelle Entscheidungen in den Verwaltungen, um den Prozess zu beschleunigen, der in naher Zukunft eine breite Basis der industriellen Wertschöpfung bringen soll.

Aktuelles